Sitten&Namenstage

Hl. Patriarch Evtimij - 20. Januar

Patriarch Evtimij gehört zu den bedeutendsten Persönlichkeiten des bulgarischen Mittelalters unmittelbar vor dem Fall des Zweiten Bulgarenreiches unter türkische Herrschaft.

Erforscher der literarischen und seelsorgerischen Arbeit von Patriarch Evtimij vertreten die Ansicht, dass er der bekannten Camblak-Familie aus der alten Reichshauptstadt Tarnowo entstammte, die Persönlichkeiten, wie Kiprian und Grigorij Camblak zu den ihrigen zählte, beides Schüles des Evtimij. Kiprian, wurde Metropolit von Kiew, später von Moskau und von ganz Russland und Grigorij, Neffe Kiprians und sein Nachfolger auf dem Moskauer Metropolitensitz, wurde Botschafter der Ostkirche in Rom. Er war auch Verfasser der Lebensbeschreibung seines Onkels Evtimij. Den schriftlichen Überlieferungen zu Folge wurde Evtimij um das Jahr 1327 geboren. Eine Ausbildung erhielt er in den Klöstern unmittelbar neben der Hautstadt Tarnowo und als der damals wohl bedeutendste bulgarische Theologe Theodosij 1350 nach Tarnowo übersiedelte, schloss sich ihm Evtimij sofort an, der zu jener Zeit bereits Mönch war. Mit seinen Kentnissen und seiner Haltung nahm er bald den ersten Platz unter den Schülern ein und wirkte schließlich als Stellvertreter Theodosijs, denn sein Lehrer war Vertreter des Hesychasmus, einer Lehre, bei der man sich auf dem Weg der Erleuchtung von den materiellen Wahrnehmungen und persönlichen Empfindungen abkehrt und ein Schweigeverbot auferlegt. Unter der Leitung von Theodosij wurden im von ihm gegründeten Kephalar-Kloster alte Manuskripte abgeschrieben, neue Übersetzungen vorgenommen und auch originale Werke geschaffen. Evtimij glänzte bereits damals mit seinem aufgeweckten Geist und schöpferischem Können. Er begleitete auch seinen Lehrer 1363 auf seiner letzten Reise nach Konstantinopel zum Patriarchen Kalist, der Freund und Mitschüler von Theodosij war.

Kurz nach seiner Ankunft starb Theodosij und Evtimij blieb zu Studienzwecken noch eine Zeitlang in Konstantinopel. Von seinen Mitmenschen in der byzantinischen Hauptstadt wurde er seines Wissens wegen hoch angesehen und sogar verehrt. Das passte aber nicht zu den Lebensanschauungen des Evtimij und so suchte er in den Klöstern des Athos-Berges, weitab vom Trubel der Welt nach Verklärung. 1371 kehrte er dann in seine Heimatstadt Tarnowo zurück und begründete im nördlich der Hauptstadt gelegenen Treifaltigkeitskloster die später berühmt gewordene Tarnowoer Schule. Mit Evtimijs Namen ist die letzte Blütezeit der mittelalterlichen bulgarischen Literatur verbunden. Sein Hauptanliegen war, die liturgischen Bücher neu zu übersetzen und die alten Übersetzungen auf Grund des griechischen Urtextes zu revidieren. Er bereicherte auch die bulgarische Schriftsprache mit den neuen Formen der Umgangssprache, die er der altüberlieferten Rechtschreibung aus den Zeiten von Kyrill und Methodij unterwarf. Evtimij ist somit die erste grundlegende Sprachenreform Bulgariens zu verdanken, die auch die erste in der gesamten slawischen Welt ist. Auf dem gesamten Gebiet Bulgariens erhielt eine einheitliche Literatursprache Gültigkeit und das Kraft eines speziellen Kirchendekrets. Nach dem Tod des damaligen bulgarischen Patriarchen Joanikij wurde Evtimij zum neuen Patriarchen gewählt. Er willigte ein, denn Kirche und Volk bedurften in jener Zeit einer tatkräftigen moralischen Unterstützung. Die Überfälle der Türken mehrten sich, selbst die Hauptstadt Tarnowo blieb nicht verschont.

Nach dem Sieg der Türken auf dem Amselfeld 1389 schlug auch für Bulgarien die Schicksalsstunde. Sie belagerten die Reichshauptstadt Tarnowo. Zar Iwan Schischman befand sich zu jener Zeit in der Festung Nikopol und so führte die verteidigung der Stadt Patriarch Evtimij. Nach einem Kampf bis zur äußersten Erschöpfung fiel Tyranowo am 17. Juli des Jahres 1393 in türkische Hände. Zar Iwan Schischman wurde wenig später gefangengenommen und enthauptet. Die geistige Größe des Patriarchen Evtimij zwang den Sieger, seine Person unangetastet zu lassen. Nach einem Blutbad, bei dem 110 Adlige und ihre Familien hinterhältig in einer Kirche abgeschlachtet wurden, verurteilte Evtimij scharf diese Greultat der Türken, was ihm die Todesstrafe einbrachte. Auf dem Richtfelsen in Tarnowo geschah aber der Überlieferung nach ein Wunder. Der erhobene Arm des Henkers wurde steif und das Schwert fiel ihm aus der Hand. Evtimij wurde verbannt, aller Wahrscheinlichkeit nach in das Batschkowo-Kloster. Beim abschied von Tarnowo segnete er seine Gläubigen und auf ihre verzweifelte Frage, wem er sie nun anvertraue, antwortete er: „Ich überlasse euch der heiligen Dreifaltigkeit heute und für alle Zeiten!“. Er war sich der kommenden Gefahren im Klaren und wusste, dass das bulgarische Volk nur durch das Festhalten an seinem christlichen Glauben überleben könnte.
Bis zu seinem Tode um das Jahr 1402 bildete Patriarch Evtimij noch einige Schüler an seinem Verbannungsort aus. Diese, wie auch das gesamte Volk hielten sein Angedenken in Ehren. Die Ostkirche sprach ihn heilig und er wird bis zum heutigen Tage nicht nur als Regionalheiliger verehrt.